Der Morgen gehört niemandem

17. Januar 2026 · Unterwegs

Der Morgen ist noch kühl.

Die Stadt wirkt unentschlossen, als wüsste sie selbst nicht, ob sie schon wach sein möchte.

Wir sitzen auf dem Dach. Zwei Stühle, ein kleiner Tisch, Kaffee aus dünnem Glas. Unter uns beginnt etwas zu klingen: ein erstes Rufen, das Rollen eines Wagens, Schritte auf Stein. Noch leise, noch vorsichtig.

Die Sonne taucht nicht plötzlich auf.

Sie schiebt sich langsam über die Kanten der Häuser, bleibt hängen, tastet sich vor. Licht findet Wege, wo wir sie gestern nicht gesehen haben.

Wir reden wenig. Nicht aus Müdigkeit – eher aus Respekt vor diesem Moment.

Reisen fühlt sich manchmal genau so an: nicht als Bewegung, sondern als Innehalten.

Später wird es laut werden.

Jetzt gehört der Morgen niemandem.

Und genau deshalb bleiben wir noch.